Ins Hell-Dunkel des Frühbarocks
Autorin: Caro Dai
Veröffentlichungsdatum: 04.05.19
In Münchens Alter Pinakothek erweist sich die Kunstausstellung „Utrecht, Caravaggio und Europa“ als Publikumsmagnet:
– bis aus NRW und verständlicherweise Holland reisen die Fans der „Caravaggisti“ an, auf den Spuren dieser zunächst niederländischen Adepten und eigenen Meister, deren Bilder in Nachfolge Caravaggios diese Spezial-Ausstellung zeigt, drei holländische Maler lernten bei Italienreise dessen neue Art der Lichtsetzung kennen, die sie weiter verbreiteten.
Literarische Zeitreise:
An einigen Samstagen (Termine unten) bietet sich dem anspruchsvollen Kunstfreund in München eine ebenfalls sehr erhellende, ungewöhnliche literarische Reise in die Zeit Caravaggios an, hier werden die kunsthistorisch berühmten Akzent-Setzungen in Licht und Schatten nicht mit geheimnisvoller Pinsel-Technik vorgenommen. Sondern mit der Macht des Wortes. Eine bessere Ergänzung von Ausstellung und Katalogen, Kunstbüchern ist kaum denkbar:
Die Schauspielerin und Autorin Jovita Dermota liest ihr engagiertes Programm „WORT-BILDER / SCHLAGSCHATTEN – Die Zeit um Caravaggio“, von ihr zusammengestellt aus Zeitstimmen um 1600 an Samstagnachmittagen jeweils um 15 Uhr in der Alten Pinakothek München vor interessierten Ausstellungsbesuchern.
Text-Schätze gehoben:
Mit sicherem Gespür auch für die Dramaturgie des Vortrags und – wie immer bei ihr dezent verwoben mit ihrem großem Kenntnisreichtum aller Kunstformen von Malerei, Literatur bis zur Musik und den darstellenden Künsten, ihrem eigentlichen „Fach“ – gelingt es Jovita Dermota, die von ihr pointiert gehobenen zeitgenössischen Text-Schätze des Caravaggio-Zeitalters mit großer Intensität gegenüberzustellen. Eine spannende Reise mitten hinein in diese ferne Zeit, als der nach seinem Herkunftsort Caravaggio benannte Maler Michelangelo Merisi mit seinem Realismus und dem berühmten Helldunkel („Chiaroscuro“) seiner revolutionären Kontraste (und Themen) nicht nur nach seinem Tod in Utrecht, sondern in der Folge europaweit Maler nachhaltig beinflusste.
Rom am Tage und bei Nacht:
Dermota definiert die Zeit Caravaggios beginnend mit Texten von Michel de Montaigne, dem französischen Philosophen und Juristen, der 1580/81 eine zeitlang in Rom lebte: Er schreibt von einem sehr unsicheren und korrupten Ort, in dem man besser nachts nicht auf die Straße geht und sein Geld besser bei einer Bank deponiert, will man nicht ausgeraubt werden. Ganz andere Annäherung geschieht durch Gedichte, durch Texte von Sauf- und Tanzliedern aus der Feder von Gianbattista Marino, Freund und Kumpan Caravaggios.
„Freue dich!“